45 Jahre Motorsport und immer noch kribbelig

Er ist der Prototyp des Breitensportlers: Horst Günter Bockting. Seit 45 Jahren betreibt er mit viel Enthusiasmus Motorsport – dazu noch äußerst erfolgreich. Seine Leidenschaft ist der Slalomsport. Hier kennt er sich aus, hier fühlt er sich wohl. Erst kürzlich feierte der 67-Jährige mit seinem aktuellen Einsatzfahrzeug ein Jubiläum: In Oschersleben fuhr er mit seinem Honda Civic zum 250. Klassensieg.

Alle Klassensiege seiner Karriere – er schätzt es müssten weit über 800 sein – hat er nicht gezählt. Aber die des Honda Civic, der ihn seit 1990 treu begleitet, weiß er ganz genau. Den Wagen hat er mit Unterstützung von Partnern in Eigenregie aufgebaut. Er kennt jede Schraube, jede Mutter und jede Dichtung. Wenn er von dem silbernen Flitzer, der nach Gruppe H-Reglement aufgebaut ist, erzählt, gerät er ins Schwärmen. 186 PS leistet der Motor. „Den habe ich selbst zusammengebaut“, sagt er nicht ohne Stolz. „Der hält locker zehn Jahre und länger.“

Angefangen hat alles vor knapp 45 Jahren mit einem Opel Ascona. Damit nahm Bockting mehr oder weniger spontan an einem Slalom teil. „Das Nenngeld betrug damals 10 Mark“, erinnert er sich. „Ich habe bezahlt, bin gefahren und am Ende hörte ich meinen Namen über die Lautsprecher. Sieger. Ich konnte es nicht fassen. Aber dann kam ein anderer Fahrer und meinte: Dein Auto ist doch faul. Und ich wusste nicht was er damit meinte.“ Der Ascona entsprach tatsächlich nicht dem Reglement, der erste Platz war futsch und Bockting fing an sich zu interessieren. Für das Reglement und für die Technik am Auto. „Ich habe mir die anderen Fahrzeuge angeschaut und gelernt.“ Bis zum ersten Pokal dauerte es dann auch nicht mehr lange. Der steht immer noch im Haus von Bockting – neben unzähligen anderen Pokalen. Großen und kleinen Pokalen. Seine motorsportliche Heimat ist übrigens der AC Mülheim, im DSK ist Bockting seit 1986.

Bockting hat auch andere Motorsport-Disziplinen ausprobiert: Rundstreckenrennen, Rallye, Bergrennen, Orientierungsfahrten. Aber nirgendwo fühlte Bockting das gleiche Kribbeln wie im Slalom. „Das war alles nix für mich“, sagt er.

Heute gibt er seine Erfahrung im Slalomsport gerne an den Nachwuchs weiter. Er hat ein Auto für die Jungs aufgebaut. 25 Euro müssen sie dafür in die Kasse tun. „Für die Reifen“, sagt Bockting, der das Auto zwischen den Veranstaltungen betreut. Beim Slalom steht er dem Nachwuchs mit Tipps und Tricks zur Seite. „Aber alles verrate ich ihnen nicht – in einigen Dingen müssen sie auch ihre eigenen Erfahrungen machen.“

Foto: blecherotik.de