Editorial: Motorsport is dangerous
Man vergisst allzu leicht, dass ein Unfall auch mal böse ausgehen kann. Und wenn dann ein Freund plötzlich nicht mehr unter uns weilt, wenn sein Lächeln nicht mehr die Herzen wärmt, bleibt unweigerlich die Frage: Warum? Warum Georg Plasa, der routinierte, erfahrene und erfolgreiche mehrfache FIA Berg-Champion? Diesmal bin ich persönlich sehr betroffen, Georg war in den letzten Jahren, vor allem in den letzten Monaten zu einem echten Freund geworden. Ich bewunderte seine technische Intelligenz aber auch seine Perfektion am Lenkrad. Und trotzdem müssen wir uns als DSK, bei dem die Sicherheit im Motorsport an oberster Stelle steht, die Frage gefallen lassen, was hier falsch läuft. Vor einem Jahr verloren wir den Formel-Piloten Lionel Regal bei einem Hochgeschwindigkeitsunfall am Berg, jetzt schlug der Tod in Rieti bei weit über 200 km/h zu.
Hat sich der Bergrennsport durch kompromisslose Fahrzeuge, durch wagemutige Piloten, durch seine Geschwindigkeitsbereiche in eine Dimension entwickelt, die sich nicht mehr mit dem modernen Sicherheitsdenken verträgt? Rennstrecken für den Rundstreckensport bieten Auslaufzonen, Fangzäune, Reifenstapel und Leitplanken. Ich selbst komme aus dem Rallyesport, den ich 25 Jahre unverletzt genießen durfte und ich bewundere Bergrennen. Mit 570 PS rund 750 kg Fahrzeuggewicht in 3 Sekunden auf 100 km/h zu beschleunigen, 15 km aus dem Gedächtnis einer Landstraße mittlerer Güte zu folgen und dabei Bruchteile von Sekunden als Reaktionszeit zu haben, um kleinste Fehler auszubügeln – das grenzt an Artistik ohne Netz über dem Abgrund. Bei aller Faszination müssen wir einen Moment innehalten, nachdenken und Konsequenzen ziehen. Rallye’s und Bergrennen können niemals die gleiche Sicherheit bieten wie ein Rundstreckenkurs. Gerade deswegen sollten wir der Leitungsexplosion Einhalt gebieten. Viele enthusiastische Piloten werden jetzt grummeln, aber wenn Georgs tragischer Abgang auch nur irgendeinen Denkprozess in Gang setzt, dann sollten wir ihn nutzen.
Herzlichst Euer
Dr. Karl-Friedrich Ziegahn
Deutscher Sportfahrer Kreis e.V.
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