Editorial: Opfer des eigenen Erfolgs?
Motorsport steht in Deutschland derzeit besser da als je zuvor, zumindest bei oberflächlicher Betrachtung. Selbst die Grünen fordern nicht mehr sein Verbot. Eine ganze Generation von Motorsport-Enthusiasten hat dafür gekämpft, nicht nur an der Umweltfront. Vorbei die Zeiten, als ein ARD-Sportchef selbstherrlich verfügen konnte, über dieses Spektakel nicht mehr berichten zu wollen. Im Windschatten der Erfolge deutscher Formel 1-Piloten ziehen andere Motorsportereignisse das Interesse von Medien, Wirtschaft und Politik auf sich. Eine professionelle Vermarktung tut ihr Übriges. Inzwischen werden wir TV-seitig fast übersättigt, andererseits aber einem Diktat unterworfen, auch dem Diktat der Vermarkter.
Hier beginnt die Gefahrenzone: Jetzt wird das Herz durch das Budget verdrängt, der Enthusiast in den Keller geschickt, der „Profi" übernimmt. Der hatte zwar gestern noch die Olympia-Bewerbung, das Film-Festival oder den Euro-Vision Song Contest vermarktet, aber er weiß angeblich, was die Fans wollen und er weiß noch besser, wie man mit Schaumgebilden, Sticker-Größen, On-Board-Videos unbedarften Sponsoren das Geld aus der Tasche schwatzt.
Sportpolitisch bedeutsam ist in jeder Disziplin der Übergang von der Amateur- in die Profi-Kategorie. Dies gilt sowohl für den einzelnen Sportler wie auch für die Veranstaltung. Alles was den Motorsport würzt, die Nähe zwischen Fahrern und Fans, die Improvisation, das gemeinsame Fahrerlager, die Kameradschaft, der Funktionär mit eigener Sporterfahrung, der Sportwart mit Vernunft und Hilfsbereitschaft – all das bleibt auf der Strecke, wenn der Tsunami der VIP-Tickets, das englische Marketing-Gesülze und die von Anwaltskanzleien ausgearbeiteten Verträge eine erfolgreiche Breitensport-Disziplin überrollen. Natürlich muß man auch mal den Mut zur Größe (und das Budget dazu) haben, darf aber auf keinen Fall den Boden unter den Füssen verlieren. Warum erinnert mich das irgendwie an die Spekulationsblase vor dem Finanz-Crash?
Ich wünsche uns allen, den echten Fans und Sportwarten, den Fahrern und Mechanikern eine tolle Saison und den festen Glauben, dass der Motorsport nicht auf diese Weise Opfer des eigenen Erfolgs wird.
Wir sehen uns! Herzlichst Euer
Karl-Friedrich Ziegahn
Deutscher Sportfahrer Kreis e.V.
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