Editorial: Sportfahrers Freuden

dr_ziegahn_Pressekonferenz

In seinem monatlichen Editorial bezieht DSK-Präsident Dr. Karl-Friedrich Ziegahn Stellung zu aktuellen Themen.

Lenken, Bremsen, Schalten, Gasgeben. Spüren, wie das Gefährt so reagiert wie wir wollen. Eine Kurve anvisieren, den optimalen Einlenkpunkt abschätzen, reinziehen, unverkrampft den Lenker oder das Lenkrad führen, ein wenig Adrenalin, aber keine Angst – ist es das? Schotter, nasser Asphalt, Bodenwellen, Blendung, Gischt, Nebel oder Sonnenschein. Wer sich hier wohlfühlt, vertraut sich selbst und seinem Vehikel. Mit dem berühmten Po fühlen, mit dem Gleichgewichtssinn die Längs- und Querdynamik spüren, alle fünf Sinne und dazu den unverzichtbaren sechsten Sinn nutzen, Sicherheitsreserven behalten und sich trotzdem ans Limit herantasten – da schießen Glückshormone ins Blut. In grauer Vorzeit genossen unser Vorfahren auf dem Rücken der Pferde ähnliche Eindrücke und selbst in den ersten Jahrzehnten der Motorisierung boten verkehrsarme Straßen vergleichbare Vergnügungen. Das hat sich heute aus Vernunftgründen erledigt. Im Straßenverkehr begegnen wir vielen Zeitgenossen, denen diese Freude unverständlich bleibt. Hier ist daher Rücksicht das oberste Gebot. Gerade deswegen wird es immer wichtiger, unter kontrollierten Randbedingungen auf abgesperrtem Terrain sich solche Fahrfreuden gönnen zu dürfen. Freies Fahren auf Rennstrecken gehört ebenso dazu wie der organisierte Motorsport. Das Ausmaß der Freude ist unabhängig von der Art des Wettbewerbs. Ob Slalom, Rallye, Bergrennen, Rundstreckenrennen oder Eisrennen – das Leuchten in den Augen, die wohlige Erschöpfung und der zufriedene Blick in den Rückspiegel sind des Sportfahrers Freuden. Deswegen setzen wir uns als Deutscher Sportfahrer Kreis dafür ein, solche Möglichkeiten zu erhalten, im Breitensport, im Profisport oder einfach nur beim unbeschwerten freien Fahren auf der abgesperrten Strecke. Ich bin überzeugt, dass dieser Fahrspaß auch in hundert Jahren noch Freunde hat, egal, ob wir dann elektrisch, hydraulisch oder biodynamisch antreten.

Wir sehen uns auch dieses Jahr irgendwo, irgendwann und irgendwie, aber mit dem Leuchten in den Augen!

Herzlichst,
Dr. Karl-Friedrich Ziegahn

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