Charakteristik der Nordschleife bleibt erhalten

Die Nürburgring-Betreiber stellten am Montag (17.08.2015) einen Maßnahmenkatalog vor, mit dem die Sicherheit auf der Nordschliefe gesteigert werden soll, damit die als Übergangslösung gedachten Tempolimits zum Saisonende wieder abgeschafft werden können und der Rennbetrieb auf dem traditionsreichen Eifelkurs zukunftsfähig ist. Und auch die DMSB-Arbeitsgruppe der Fahrer unter Leitung von Dirk Adorf und mit DSK-Präsidiumsmitglied Altfrid Heger hat erste Ergebnisse vorzuweisen.

Es war der erste Lauf der Langstreckenmeisterschaft Nürburgring VLN, der die gesamte Motorsportsaison 2015 in der Eifel prägen sollte: Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände wurde ein Fahrzeug über den Sicherheitszaun geschleudert, wobei ein Zuschauer tödlich verletzt wurde. Der Deutsche Motorsport-Bund DMSB reagierte prompt und verabschiedete ein Paket von Sofortmaßnahmen, unter denen vor allem die Tempolimits auf der Nordschleife für Diskussionsstoff sorgten. Der DSK bezog dazu schon im Mai umfassend Position (http://www.dskev.de/dsk-positionspapier-zum-thema-sicherheit-auf-der-nordschleife/) und machte deutlich, dass die ergriffenen Maßnahmen in keinem Fall zum Dauerzustand werden dürfen.

Gestern ergriffen dann die Nürburgring-Betreiber die Initiative und präsentierten im Rahmen eines ‚Runden Tisches ’ vor Vertretern des DMSB, des ADAC, der Automobil-Industrie sowie vor verschiedenen Veranstaltern, Teams und Fahrern ein Konzept, wie sie die Sicherheit auf und neben der Rennstrecke zukünftig gewährleisten wollen. Wesentlicher Bestandteil des vorgestellten Maßnahmenkatalogs sind zusätzliche Schutzzäune in mehreren Streckenabschnitten und eine Sperrzone im Bereich Schwedenkreuz. Zur Erhöhung der passiven Sicherheit ist außerdem die Optimierung der Schutzlinien durch zusätzliche Leitplanken und FIA-Schutzzäune, beispielsweise entlang der Döttinger Höhe zur besseren Absicherung der angrenzenden Bundesstraße, vorgesehen.

Die Erneuerung der Fahrbahn im Streckenabschnitt Flugplatz dient indes der aktiven Sicherheit der 1927 eröffneten Nordschleife. „Auf Basis einer detaillierten Vermessung werden wir im Bereich Flugplatz auf etwa 500 Metern die Fahrbahn erneuern und dabei fünf Bodenwellen beseitigen, die im Laufe der Jahre durch die hohe Belastung der Nordschleife entstanden sind“, führte der Geschäftsführer der Capricorn Nürburgring GmbH Carsten Schumacher aus. Allen, die eine Veränderung der Streckenführung befürchten, versicherte Schumacher allerdings: „Die einzigartige Charakteristik der Nordschleife bleibt bestehen. Das ist nicht nur für den Rennsport wichtig, sondern auch für die Industrie, die auf dieser einmaligen Rennstrecke seit Jahrzehnten ihre Fahrzeuge testet.“ Damit entspricht der Nürburgring bisher den Forderungen des DSK, der einen Umbau der traditionsreichen ‚Grünen Hölle’ von Anfang an ausgeschlossen hatte.

Das Maßnahmenpaket wird der Nürburgring nun als Antrag beim DMSB zur Weiterleitung an die Strecken-Kommission des Automobil-Weltverbandes FIA einreichen, denn zum Jahresende muss außerdem die turnusgemäß auslaufende Rennstrecken-Lizenz erneuert werden.

Im November soll dann mit den notwendigen Bauarbeiten begonnen werden, um bis zum Beginn der kommenden Saison bereits sieben der 16 vorgesehenen Maßnahmen realisieren zu können und so das Nötige für eine Aufhebung der Tempolimits zu unternehmen.

Doch auch an anderer Front wird an Lösungsansätzen gearbeitet: Die Arbeitsgruppe Fahrer, an der  DSK-Präsidiumsmitglied Altfrid Heger mitwirkt, geht  das Problem aus Fahrersicht an. Auch hier wurden bereits konkrete Vorschläge gemacht. Sollte der DMSB zustimmen, dann wird ein Fahrer zur Erlangung der Nordschleifenlizenz ‚Permit-B’ zukünftig drei Voraussetzungen erfüllen müssen, wie Heger erklärt: „Zunächst einmal muss er hier vor Ort einen E-Learning-Test bestehen.“ Bei diesem Test muss der Fahrer ähnlich wie bei einer Führerscheinprüfung Fragen beantworten. „Das nächste ist eine Norschleifenbesichtigung mit einem B-Permit-Instruktor“, fährt Heger fort. „Und drittens sollte die Teilnahme an Track-Days jeder Art – egal ob Freies Fahren vom DSK, Scuderia Hanseat oder sport auto – als praktischer Teil genügen, falls der entsprechende Teilnehmer fünf Runden zurückgelegt hat. Natürlich ist das bei Weitem nicht das Einzige Thema, um das sich gekümmert werden muss“, schließt Heger, „doch es ist das aktuell wichtigste, das wenn möglich noch 2015 aber spätestens zu 2016 realisiert werden sollte.“