Editorial: Heikler Balanceakt

In seinem monatlichen Editorial bezieht DSK-Präsident Dr. Karl-Friedrich Ziegahn Stellung zu aktuellen Themen. 

Sicherheit und Fahrfreude sind für uns Sportfahrer wie zwei Seiten einer Medaille. Oder wie ein Balanceakt zwischen Herz und Verstand. Wir brennen für die aufregenden Gefühle nach einer perfekten Runde, einem gewonnen Duell mit einem ebenbürtigen Gegner. Und wir wissen mit klarem Verstand, dass unser Sport nur zukunftsfähig bleibt, wenn wir alles in unserer Hand Stehende unternehmen, um Schäden von Leib und Leben, vor allem bei Zuschauern, abzuwenden. Vor dieser Abwägung stehen Fahrer, Veranstalter und Verbände. Dass es noch einmal gut gegangen ist, kann kein Argument sein, bessere Vorkehrungen zu treffen.

Zahlreiche Gespräche, die ich auf der Essen Motor Show geführt habe, zeigen, dass es unermüdliche Anstrengungen bedarf, dieses Spannungsfeld richtig auszutarieren. Nehmen wir als Beispiel die Gleichmäßigkeitsprüfungen. Natürlich möchte ein Pilot gerne zügig zeigen, was sein Gefährt und er selbst leisten. Natürlich möchte ein Veranstalter unnötigen Aufwand bei Streckensperrung und -sicherung vermeiden, schon allein, um die Kosten im Griff zu behalten. Trotzdem beginnt Sicherheit im Kopf: Im Kopf der Teilnehmer, die eigenverantwortlich antreten, im Kopf der Veranstalter, die alles unternehmen müssen, um die Sicherheit der unbeteiligten Zuschauer zu gewährleisten, im Kopf der Regelsetzer, die sich vorausschauend mit den Risiken auseinandersetzen müssen.

Je näher wir uns an den Grenzbereich herantasten, um so notwendiger ist ein umfassendes Sicherheitskonzept, auch im Hinblick auf die Ausstattung der Fahrzeuge. Und je weiter wir vom Grenzbereich entfernt bleiben, um so mehr können wir den Aufwand reduzieren.

Der DSK führt diesen Dialog seit Jahren mit allen beteiligten Akteuren. Und es ist immer wieder deutlich geworden, dass nur ein gemeinsames Abstimmen zu vernünftigen Lösungen führen wird. Gleichmäßigkeits-prüfungen dürfen einfach nicht zu verkappten Rennveranstaltungen führen, das gilt für Oldtimer, Youngtimer, Show-Rallyes  oder die Rundstrecken Challenge am Nürburgring gleichermaßen. Hier sind sowohl die Verbände wie auch der DMSB gefordert. Die Experten des DSK bringen sich dabei sachkundig in diese Analysen und die Erarbeitung von Lösungen ein.

Ich wünsche Euch allen eine tolle und risikominimierte Saison 2016.

Herzlichst Euer
Karl-Friedrich ‚KaFi‘ Ziegahn