Editorial: Rennfahrer oder Zuschauer – wer genießt mehr?

In seinem monatlichen Editorial bezieht DSK-Präsident Dr. Karl-Friedrich Ziegahn Stellung zu aktuellen Themen. 

Wahrscheinlich ist die Frage so alt wie der Motorsport: Braucht der Renn- oder Rallyefahrer unbedingt  Zuschauer, um Freude an seinem  Sport zu haben? Ein Sieg schmeckt natürlich besser, wenn viele sehen, dass ich gewonnen habe. Zahlreiche Fans an der Piste sind auch ein Gewinn für die Werbepartner, sind eigentlich sogar die Voraussetzung für deren Engagement.

Trotzdem möchte ich die Frage mal in aller Konsequenz betrachten. Zuschauer lieben die Action, die Schau. Spektakuläre Manöver, beinharter Wettstreit, Nervenkitzel und Helden faszinieren das Publikum. Piloten mit dem Messer zwischen den Zähnen um ihre Positionen kämpfen zu sehen hat schon das Volk bei den römischen Wagenrennen begeistert. Aber gibt es nicht ganz unterschiedliche Fans? Tragen alle das Gebot der britischen ‚Fairness‘ in ihrer Brust? Bewundern sie auch das Fahrkönnen, wenn es nicht ihr persönlicher Favorit ist, der sich durchsetzt? Oder muss es nur laut, spektakulär und gefährlich sein? Toleriert man ein ‚Foul‘ besonders dann, wenn es den Richtigen trifft?

Sportliche Regeln werden immer mal verletzt. Dann folgen Sanktionen, die von der Sportorganisation verhängt werden. Welch ein ‚Shitstorm‘ tobt durch die sogenannten sozialen Netze, wenn es den vermeintlich Unschuldigen trifft.

Und denken wir weiter. Wenn Motorsport nur für Zuschauer aufgeführt wird, dann muss zwangsläufig die Schau im Mittelpunkt stehen. Das steht dann häufig im Widerspruch zum sauberen Wettbewerb, vor allem im Breitensport. Sicher lieben es manche Piloten, eine Schau aufzuführen, aber viele möchten einfach sich selbst beweisen, dass sie es können. Würden sie auch antreten, wenn keiner zuschaut? Formel 1 und DTM, WRC und MotoGP basteln laufend an ihren Regeln und Veranstaltungsformaten, um die Schau zuschauerfreundlich zu gestalten. Am Ende wird die Schraube oft überdreht. Dann beschweren sich Aktive ebenso wie Fans. Nur eine ausgewogene Balance zwischen Sport und Schau kann auf Dauer unseren Sport zukunftsfähig gestalten. Denkt darüber mal nach, Fahrer und Zuschauer!

Herzlichst Euer
Karl-Friedrich ‚KaFi‘ Ziegahn