Kleine Regelkunde: Das 24h-Rennen am Nürburgring hat seine eigenen Gesetze

Das ADAC Zurich 24h-Rennen gehört zu den größten Rennen der Welt. Nirgendwo sonst treten so viele Fahrzeuge und Fahrer auf der Strecke gegeneinander an. Erst durch die Streckenlänge – die 24h-Variante des Grand-Prix-Kurs und die Nordschleife bringen es zusammen auf 25,378 Kilometer – ist der Start von knapp 160 Fahrzeugen überhaupt erst möglich. In Hochzeiten waren beim 24h-Rennen am Nürburgring sogar 210 Fahrzeuge am Start. Bei der Vielzahl an Fahrzeugen, der Streckenlänge und der Charakteristik der Nordschleife bedarf es eigener Regeln und Regelungen, um das Rennen zu veranstalten. Wir geben euch einen kleinen Einblick in die Regelkunde und die Besonderheiten des Langstreckenklassikers in der Eifel.

Fahrzeuge Die Bandbreite der zugelassenen Fahrzeuge ist groß. Beim 24h-Rennen sind reinrassige GT3-Sportwagen gemeinsam mit seriennahen Kleinwagen auf der Strecke. Auch wenn heute die Zahl der großen GT3 überwiegt – die Kleinen sind das Salz in der Suppe und liegen in der Gunst der Fans meist ganz oben. Neben der üblichen Sicherheitsausstattung muss das Fahrzeug im Aufbau in eine der insgesamt 26 verschiedenen Klassen passen.

Fahrer 24 Stunden sind lang – verdammt lang. Aus diesem Grund müssen pro Fahrzeug mindestens zwei Fahrer genannt werden; Maximal dürfen sich vier Fahrer ein Auto teilen. Ein Fahrer darf beim 24h-Rennen auf zwei Fahrzeugen genannt werden. Auch die Ruhepausen sind geregelt: Bei einem Fahrerwechsel ist eine Ruhezeit von zwei Stunden einzuhalten, nach höchstens drei Stunden im Cockpit muss der nächste ran.

Boxenplatz Die rund 160 Fahrzeuge beim 24h-Rennen müssen sich 33 Boxen teilen. Dort wo bei anderen Veranstaltungen eine Box für ein Fahrzeug vorgesehen ist, stehen beim 24h-Rennen bis zu acht Fahrzeuge zusammen. Viel Platz haben die Teams nicht, dennoch hat jeder genügend Raum. Hier nimmt jeder Rücksicht. Wem das Treiben in der Box zu eng ist, der weicht auf ein Teamzelt im Fahrerlager aus. Aber auch hier ist der Platz begrenzt, zudem müssen Stellflächen im hinter den Boxen zusätzlich angemietet werden.

Flaggensignale Im Prinzip sind die Flaggensignale beim 24h-Rennen gleich denen bei Rennen auf anderen Strecken. Trotzdem gibt es Besonderheiten: Bei doppelt gelb geschwenkter Flagge gilt ein Tempolimit von 120 km/h. Maximal 60 km/h dürfen Teilnehmer bei einer gelben Flagge in Verbindung mit der sogenannten Code 60-Flagge fahren. Code 60 wird grundsätzlich mit doppelt gelb geschwenkten Flaggen angekündigt. Wer über 50 km/h zu schnell ist, für den ist das Rennen sofort vorbei.

Zeitnahme Die Zeitnahme ist beim 24h-Rennen besonders gefordert: Wenn hier Fehler passieren, dann wird es schwierig am Ende einen Sieger zu ermitteln. Entsprechend ist die Zeitnahme personell aufgestellt, die Computersysteme haben Backups und auch von Hand werden noch Rundentabellen geführt. Sicher ist sicher. Die Zeitnahme stellt die Zeiten, als auch eine Animation unter www.tracktime.info zur Verfügung. Nettes Feature dabei: Seinen Lieblingsteilnehmer kann man sich größer anzeigen lassen um die nächste Vorbeifahrt nicht zu verpassen! Durch grüne und rote LED Tafeln auf den Autos wird die jeweilige Position des Fahrzeugs den Fans an der Strecke gezeigt. Sie aktualisiert sich an bei der Durchfahrt an Start und Ziel.

Rennleitung Abschlepper, Marshalls, Rettungsdienste, die DMSB-Staffel und andere: Alle werden von einem Ort aus koordiniert, der Rennleitung. In diesem Raum laufen alle Fäden zusammen, auf einer Wand von Bildschirmen kann die Strecke und das Renngeschehen betrachtet werden. So können im Falle eines Falles die notwendigen Entscheidungen hier getroffen werden. Aber auch Meldungen der Sportwarte laufen hier zusammen, ob Überholen in einer Gelbphase oder einsetzender Regen.

Balance of Performance Ein Porsche, ein AMG GT und ein Audi R8 innerhalb weniger Sekunden Differenz pro Runde? Wie ist das möglich? Das Zauberwort heißt Balance of Performance, also ein Angleichen der Leistungen der verschiedenen Fahrzeuge, um das Rennen möglichst spannend zu machen. Durch verschiedene Parameter, zum Beispiel Verkleinerungen des Ansaugstutzens oder über Zusatzgewichte, können schnellere und stärkere Fahrzeuge eingebremst und damit die Chancengleichheit erhöht werden. Überwacht werden die Änderungen durch die technischen Kommissare.

GPS-System Jedes teilnehmende Fahrzeug ist mit einem GPS-Sender ausgestattet. Das ermöglicht der Rennleitung, jederzeit die exakte Position und Geschwindigkeit des Fahrzeugs zu ermitteln. Verstöße gegen die Code 60-Flagge oder die maximal erlaubte Geschwindigkeit von 120 km/h bei doppelt gelb geschwenkter Flagge werden automatisch registriert und anschließend geahndet. Auch Teams und Fans profitieren davon, denn mit der entsprechenden App können auch sie ihr favorisiertes Team live verfolgen.

Höchstgeschwindigkeit in der Boxengasse Die Boxengasse darf mit maximal 60 km/h durchfahren werden. Bei Überschreiten der zulässigen Geschwindigkeit gibt es eine Zeitstrafe. Häufige Temposünder werden den Sportkommissaren gemeldet, die dann über das Strafmaß entscheiden müssen.

Intervention Cars Anders als auf klassischen Grand-Prix-Kursen kann das Rennen nicht mit einem Safety Car – zum Beispiel nach einem Unfall – neutralisiert werden. Um mögliche Gefahrenstellen und Unfallpunkte besser absichern zu können, setzt die Rennleitung beim 24h-Rennen sogenannte Sicherungsfahrzeuge (Intervention Cars) ein. Die Besatzung kann zum Beispiel auch kurzfristig die Streckenführung verändern. So können mittels Pylonen die Fahrzeuge auch zum Beispiel über Seitenstreifen an einem Unfall vorbeigeführt werden.

Fahrerbesprechung Die Fahrerbesprechung ist für jede Rennveranstaltung obligatorisch. Beim 24h-Rennen geht der Rennleiter nochmal auf die besonderen Regeln ein und erklärt organisatorische Dinge. Eine Herausforderung ist die Menge der Teilnehmer. Aus diesem Grund wird die Fahrerbesprechung im großen Media-Center am Nürburgring zweimal abgehalten, auf deutsch und auf englisch.

Startaufstellung Die Startaufstellung bei 24h-Rennen ist einmaliges Erlebnis. Sobald die ersten Fahrzeuge in die Startaufstellung rollen – die Boxengasse schließt 90 Minuten vor Beginn der Einführungsrunde der ersten Startgruppe – füllt sich die Start-Ziel-Gerade ziemlich schnell. Es herrscht dichtes Gedränge. Insgesamt gibt es drei Startgruppen. Die Pole-Position befindet sich jeweils in der ersten Startreihe rechts.

Top-30-Qualifying Die schnellsten 30 Fahrzeuge machen beim 24h-Rennen den Kampf unter sich: In einem spektakulären Einzelzeitfahren kämpfen sie um die begehrte Pole-Position. Die Plätze für das Einzelzeitfahren können sich die Teams in den Trainings der vorangegangenen Läufe zur VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring und beim Qualifikationsrennen erkämpfen. 17 Plätze sind bereits vergeben, die verbleibenden 13 Startplätze werden anhand des kombinierten Ergebnisses der beiden 24h-Qualifyings vergeben.

Streckenführung und Länge Die beim 24h-Rennen gefahrene Streckenvariante aus Grand-Prix-Kurs und Nordschleife hat eine Länge 25,378 Kilometer. Besonderheit ist die Streckenführung im Bereich der Mercedes-Arena. Am Ende der Start-Ziel-Geraden geht es nach einer Schikane direkt in Richtung Ford-Kurve. Der Platz der Mercedes-Arena wird für zusätzliche Fahrerlagerflächen benötigt.