Editorial: Abschied und Aufbruch

In seinem monatlichen Editorial bezieht DSK-Präsident Dr. Karl-Friedrich Ziegahn Stellung zu aktuellen Themen. 

Mit großer Trauer haben wir von Ralf Waldmann Abschied genommen. Ralf war einer der ganz Großen im deutschen Motorradrennsport und er war langjähriger Kollege im Präsidium des DSK. Er war beliebt wie kaum ein anderer in der Gemeinschaft der Motorsportler und viel zu früh fiel für ihn die letzte Flagge. Sein plötzlicher Tod hat uns alle geschockt. Nicht der Rennsport hat hier ein Opfer gefordert, sondern die unbestimmbare Gesundheit. Wir alle werden ihn als einen herausragenden Sportsmann in unserer Erinnerung behalten, einer, der das Herz auf dem rechten Fleck hatte. Die Besten gehen zuerst – dieser Satz trifft leider auch auf Ralf zu. Wir nehmen sein Vermächtnis mit, den Motorsport in die Zukunft zu geleiten.

Tradition und Zukunft bestimmen schon immer den Kurs, den wir im DSK steuern. Wo aber sehen wir die Zukunft aus heutiger Sicht? Wie treffen Breitensport und Spitzensport aufeinander? Da steht zuallererst die finanzielle Dimension im Raum. Wie ist es möglich, Motorsport zu betreiben, wenn der Lohnzettel nur einen beschränkten Spielraum einräumt? Lassen wir den Spitzensport mal außen vor, der nach eigenen Regeln verläuft. Natürlich freuen wir uns über jedes Talent, dem es gelingt in die Profi-Liga aufzusteigen.

Aber was sagen wir den vielen Jugendlichen und Hobby-Motorsportlern, die einfach nur fahren wollen, egal ob Rallye, Rundstrecke, Slalom, Motocross oder Enduro? Zahlreiche Hürden türmen sich auf, die von Sicherheitsfragen, Genehmigungsgebühren, Lizenzen, Versicherungen und Fahrzeugeinstufungen bestimmt werden. Motorsport war schon immer teuer, keine Frage. Aber es gibt wie in der Vergangenheit auch heute hausgemachte Kostenspiralen, die wir kritisch hinterfragen müssen. Mit einfachen Fahrzeugen, an denen man noch selbst schraubt, am Wochenende auf die Piste zu gehen, scheint in dieser Zeit beinahe unmöglich zu sein. Die Kosten für die Miete von Rennstrecken, die Genehmigungsverfahren für Rallyes und Bergrennen, die Personalkosten des DMSB oder die Vorgaben der scheinbar allmächtigen FIA würgen uns Breitensportlern die Luft ab.

Meine Vision für den Aufbruch in die Zukunft ist eine Rahmenordnung für den Motorsport, die es ermöglicht, mit einem überschaubaren Budget an den Start zu gehen und dabei die Freude am Wettbewerb zu genießen. Lasst uns daran gemeinsam arbeiten. Wir brauchen dazu konkrete Hinweise aus dem Kreis der aktiven Motorsportler, wo die Kosten aus dem Ruder laufen und wer aus Eurer Sicht an dieser Spirale dreht. So müssen beispielsweise Veranstalter und DMSB offen und transparent zeigen, warum welche Kosten dort entstehen und welche Maßnahmen zur Kostendämpfung ergriffen werden. Hier wird der DSK auch in seinem 60. Jubiläumsjahr im Interesse der Aktiven genau hinschauen.

Herzlichst Euer, Kafi

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