Editorial: Vorwärts im Breitensport – gegen Bürokratie und Kostentreiberei

In seinem monatlichen Editorial bezieht DSK-Präsident Dr. Karl-Friedrich Ziegahn Stellung zu aktuellen Themen.

In einer lebhaften Mitgliederversammlung haben wir uns kürzlich am Nürburgring intensiv ausgetauscht. Vielen Mitgliedern brennt es auf den Nägeln. Breitensport muss finanzierbar und durchführbar bleiben. Warum verfestigt sich der Eindruck, dass wir in Deutschland uns mit bürokratischen Hürden das Leben schwer machen? Oder sind es konkret die FIA oder der DMSB, die nicht mehr verstehen, was der Amateur-Motorsportler braucht und die anscheinend nur die Erhöhung ihrer Einnahmen im Fokus haben?

Nehmen wir als Beispiel die Startmöglichkeit im europäischen Ausland. Wir sind eine europäische Union, wir haben einen europäischen Binnenmarkt. In Deutschland gibt es nur wenige permanente Rennstrecken, in Frankreich dagegen rund 20 Pisten. Warum können wir nicht grenzüberschreitend Motorsport betreiben ohne Restriktionen durch kostentreibende ‚internationale‘ Einschreibungen?

Ein anderes Beispiel ist der Einstieg in den Clubsport. Warum ist es so schwer geworden, den Fan von der Straße spontan zum Beispiel zu einem Slalom-Start zu gewinnen? Es muss doch möglich sein, die Hürden für einen jungen Menschen so niedrig zu halten, dass er oder sie auch mal hineinschnuppern kann. Wenn ich erst ein Auto kostenträchtig umbauen muss, um an einer kleinen Rallye oder einem Slalom teilzunehmen, dann brauchen wir uns über den ausbleibenden Nachwuchs nicht zu wundern. Was ist beispielsweise aus der alten Tageslizenz geworden, die solche Spontan-Einsätze ermöglicht haben? Und wie gewinnen wir den Nachwuchs für die Sportwarte?

Es mag ja vernünftige Gründe für Entscheidungen des DMSB geben, aber sie sind oft nicht transparent und nachvollziehbar. Das muss besser werden. Als DSK fordern wir den DMSB auf, sich vor entscheidenden Festlegungen intensiv mit den betroffenen Akteuren auszutauschen und seine Entscheidungen plausibel zu begründen. Nur dadurch kann der DMSB dem Eindruck begegnen, dass gemauschelt wird und es nur um seine Erträge geht.

Der DSK wird seiner Verantwortung für den Breitensport weiter gerecht werden, in dem er unnötige Hindernisse identifiziert. Einzelfragen werden auch nicht immer zufriedenstellend behandelt werden können, weil ein persönliches Interesse verfolgt wird. Aber strukturelle Probleme, die sich aus den Vorgaben des DMSB oder der FIA und der FIM ableiten, werden wir angehen. Unnötige Kostentreiberei ist ein Unding. Breitensport muss finanzierbar bleiben, sonst verengt sich der Motorsport auf eine schmale Basis von professionellen Teams und gut ausgestatteten Privatiers.

Der DSK leistet mit seinen Initiativen zur Nachwuchsförderung eine sehr gute Arbeit und hat dafür Mittel eingeworben, um Jugendliche beim ersten Schritt in den Motorsport zu unterstützen, übrigens ohne dafür einen einzigen Cent aus dem Vereinsvermögen zu verwenden. Aber die Randbedingungen müssen stimmen. Darauf werden wir mehr denn je unser Augenmerk richten. Lasst es uns wissen, wo der Schuh drückt. Wir greifen das auf.

Herzlichst Euer, Kafi

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