Der Rallyesport sorgt für spektakuläre Szenen, egal ob im kalten Schnee oder auf heißem Asphalt. Mit Vollgas unterwegs sind in Deutschland derzeit zwei Junioren des Deutschen Sportfahrer Kreises e.V. Nachdem die ersten sieben Läufe im DMSB Rallye Cup absolviert sind, mischen Jan Potthast und Martin Ritschel in allen Wertungen ganz vorne mit. Potthast ist mit 45,79 Punkten der Führende beim zweithöchsten nationalen Prädikat im Rallyesport und in der HJS-DRC-Junior-Wertung – Region Nord. Ihm dicht im Nacken sitzt als jeweils Gesamtzweiter Martin Ritschel mit 44,81 Punkten. In die Wertung flossen die fünf besten Resultate der sieben Vorläufen ein.
„Wir
sind mit dem neuen Auto direkt sehr gut klar gekommen und waren bei jedem
Rennen auf dem Podium. Es gab keine Zwischenfälle, wir haben nichts kaputt
gemacht. Dass wir uns so weit vorne platzieren können, damit hatten wir nicht
gerechnet. Erst Mitte der Saison habe ich wirklich realisiert, dass wir gute
Chancen haben“, sagt Ritschel, der in Dortmund im ersten Semester
Fahrzeugentwicklung studiert. Einen ähnlichen Saisonverlauf hatte Potthast, der im letzten
Jahr im DMSB Rallye-Cup bereits die Juniorwertung gewann und Dritter in der
Gesamtwertung wurde: „Dass
es so gut läuft, hat mich überrascht. In diesem Jahr gab es viel mehr
Teilnehmer als in 2018. Wir konnten uns in der Klasse immer durchsetzen, wir
haben sechs Mal gewonnen. Einmal waren wir verhindert, bei zwei
Streichresultaten war das aber kein Problem.“

Das
Finale des Cups steigt am 15./16. November bei der Rallye Hessisches Bergland
mit Start und Ziel in Melsungen. Hierbei werden sich die beiden Piloten dann
auch mit der Konkurrenz aus der Region Süd messen, die parallel ebenfalls
sieben Vorläufe bestritt. Beim Endlauf gibt es infolgedessen auch die doppelte
Punktzahl zu holen. Dabei gilt zudem, je mehr Starter in einer Klasse dabei
sind, umso mehr Punkte kann man erreichen. Ein Ausfall hätte also
logischerweise fatale Folgen. In der Gesamtwertung, beide Regionen
zusammengefasst, ist Potthast derzeit Dritter und Ritschel Fünfter im DMSB
Rallye Cup.
Die
Generalprobe für das Finale glückte bei beiden. Bei der 50. Atlantis-Rallye
Anfang November gewann Martin Ritschel mit Beifahrer Christoph Kasper im Suzuki
Swift die 1600-cm³-Klasse der Gruppe F überlegen. Auch Potthast und Julian
Simon setzen sich im Gruppe-G-BMW 318is in der Klasse NC8 durch. Die Rallye 70
umfasste 69 Wertungsprüfungskilometer mit vier Kilometern auf losem Untergrund.
Es gab zwei sehr lange Start-Ziel-Prüfungen bei Bad Segeberg und zum Schluss den
traditionellen Rundkurs bei Stuvenborn.
Ritschel,
der seit 2015 Rallyesport betreibt, hatte sich am 13. Oktober in Warstein bei
einem Rallye Performance-Day auf Asphalt, den Armin Schwarz und der Deutsche
Sportfahrer Kreis seit einigen Jahren auf abgesperrten Strecken anbieten,
perfekt auf den Schlussspurt der Saison vorbereitet. Der 22-Jährige nutzte die
Möglichkeit, einen ganzen Tag lang an seinen Fertigkeiten zu feilen und zu
arbeiten. „Das hat mir sehr geholfen, das Auto auf den Rutschflächen zu testen.
Für uns war es die perfekte Einstellmöglichkeit. Direkt im Anschluss bin ich ja
die nächste Rallye gefahren, dort war der Untergrund sehr schmierig. Das hat
super gepasst“, sagt Ritschel. Eine Woche später holte er bei der 10.
Visselhöveder ADAC-Herbst-Rallye einen weiteren seiner insgesamt vier
Klassensiege in der NC4. Und auch bei den leistungsschwächeren
Gruppe-G-Fahrzeugen setzte sich Potthast nach 64 WP-Kilometern in Niedersachsen,
zwölf davon führten über Naturwege, durch.
Am 7. und 8. Dezember findet der letzte Rallye Performance-Day des Jahres statt, auf Schotter und losem Untergrund in der Eifel. DSK-Mitglieder zahlen 280 Euro/Tag. Wer noch kein Mitglied ist, den kostet das Training mit dem eigenen Fahrzeug 330 Euro. Hier geht es zur Anmeldung.
Vorher
steht aber noch das große Finale in Melsungen auf dem Programm. Hier wollen
Potthast und Ritschel ihre bislang so starke Saison krönen. „Das Ziel ist
natürlich immer, in der Klasse zu gewinnen. Mit einem Platz auf dem Podium
wären wir aber sehr zufrieden. Zunächst einmal gilt es, anzukommen. Da es beim
Endlauf die doppelte Punktzahl gibt, wäre ein Ausfall umso schlimmer. Das würde
uns das Genick brechen“, sagt Ritschel, der Potthast aufgrund der höheren
Anzahl der Starter in der Klasse leicht favorisiert sieht. „Aber, auch für ihn
wird es schwer, zu gewinnen. Das ist alles sehr ausgeglichen.“

Potthasts
Herangehensweise unterscheidet sich nicht für den Showdown gegenüber der seines
Konkurrenten. „Man sollte auf jeden Fall ins Ziel kommen und Punkte mitnehmen.
Ansonsten sieht es schlecht aus.“ Da aber Freitag und Samstag jeweils eine
Etappe gefahren wird, ergeben sich auch taktische Erwägungen. „Am ersten Tag
werden wir schauen, wo wir stehen und wir werden nicht direkt alles riskieren.
Das habe ich mittlerweile gelernt. Früher bin ich immer direkt alles was geht
auf der ersten Prüfung gefahren. Am nächsten Tag können wir dann immer noch
richtig angreifen“, so Potthast.