Kleine Regelkunde: Das 24h-Rennen am Nürburgring hat seine eigenen Gesetze

Veröffentlicht am 26.05.2017
24h-Rennen Allgemein Newsarchiv

Das ADAC Zurich 24h-Rennen gehört zu den größten Rennen der Welt. Nirgendwo sonst treten so viele Fahrzeuge und Fahrer auf der Strecke gegeneinander an. Erst durch die Streckenlänge – die 24h-Variante des Grand-Prix-Kurses und die Nordschleife bringen es zusammen auf 25,378 Kilometer – ist der Start von knapp 160 Fahrzeugen überhaupt möglich. In Hochzeiten waren beim 24h-Rennen am Nürburgring sogar 210 Fahrzeuge am Start. Bei der Vielzahl an Fahrzeugen, der Streckenlänge und der Charakteristik der Nordschleife bedarf es eigener Regeln, um das Rennen zu veranstalten. Wir geben euch einen kleinen Einblick in die Regelkunde und die Besonderheiten des Langstreckenklassikers in der Eifel.

Fahrzeuge

Die Bandbreite der zugelassenen Fahrzeuge ist groß. Beim 24h-Rennen sind reinrassige GT3-Sportwagen gemeinsam mit seriennahen Kleinwagen auf der Strecke. Auch wenn heute die Zahl der großen GT3 überwiegt – die Kleinen sind das Salz in der Suppe und liegen in der Gunst der Fans meist ganz oben. Neben der üblichen Sicherheitsausstattung muss das Fahrzeug mit seinem Aufbau in eine der 26 Klassen passen.

Fahrer

24 Stunden sind lang – verdammt lang. Aus diesem Grund müssen pro Fahrzeug mindestens zwei Fahrer genannt werden, maximal dürfen sich vier Fahrer ein Auto teilen. Ein Fahrer darf beim 24h-Rennen auf zwei Fahrzeugen genannt werden. Auch die Ruhepausen sind geregelt: Nach höchstens drei Stunden im Cockpit muss der nächste ran, und wer aussteigt, muss eine Ruhezeit von zwei Stunden einhalten.

Boxenplatz

Die rund 160 Fahrzeuge beim 24h-Rennen müssen sich 33 Boxen teilen. Dort, wo bei anderen Veranstaltungen eine Box für ein Fahrzeug vorgesehen ist, stehen beim 24h-Rennen bis zu acht Fahrzeuge zusammen. Viel Platz haben die Teams nicht, dennoch hat jeder genügend Raum – hier nimmt jeder Rücksicht. Wem das Treiben in der Box zu eng ist, der weicht auf ein Teamzelt im Fahrerlager aus. Aber auch dort ist der Platz begrenzt, zudem müssen Stellflächen hinter den Boxen zusätzlich angemietet werden.

Flaggensignale

Im Prinzip sind die Flaggensignale beim 24h-Rennen die gleichen wie bei Rennen auf anderen Strecken. Trotzdem gibt es Besonderheiten: Bei doppelt gelb geschwenkter Flagge gilt ein Tempolimit von 120 km/h. Maximal 60 km/h dürfen Teilnehmer bei einer gelben Flagge in Verbindung mit der sogenannten Code-60-Flagge fahren. Code 60 wird grundsätzlich mit doppelt gelb geschwenkten Flaggen angekündigt. Wer mehr als 50 km/h zu schnell ist, für den ist das Rennen sofort vorbei.

Zeitnahme

Die Zeitnahme ist beim 24h-Rennen besonders gefordert: Wenn hier Fehler passieren, wird es schwierig, am Ende einen Sieger zu ermitteln. Entsprechend ist die Zeitnahme personell aufgestellt, die Computersysteme haben Backups, und zusätzlich werden von Hand Rundentabellen geführt. Sicher ist sicher. Die Zeitnahme stellt die Zeiten sowie eine Animation unter [www.tracktime.info](https://www.tracktime.info) zur Verfügung. Nettes Feature dabei: Seinen Lieblingsteilnehmer kann man sich größer anzeigen lassen, um die nächste Vorbeifahrt nicht zu verpassen! Über grüne und rote LED-Tafeln auf den Autos wird den Fans an der Strecke die jeweilige Position des Fahrzeugs angezeigt. Die Anzeige aktualisiert sich bei der Durchfahrt an Start und Ziel.

Rennleitung

Abschlepper, Marshals, Rettungsdienste, die DMSB-Staffel und andere: Alle werden von einem Ort aus koordiniert – der Rennleitung. In diesem Raum laufen alle Fäden zusammen; auf einer Wand aus Bildschirmen können Strecke und Renngeschehen beobachtet werden. So werden im Fall der Fälle hier die notwendigen Entscheidungen getroffen. Auch die Meldungen der Sportwarte laufen hier zusammen, ob Überholen in einer Gelbphase oder einsetzender Regen.

Balance of Performance

Ein Porsche, ein AMG GT und ein Audi R8 innerhalb weniger Sekunden Differenz pro Runde? Wie ist das möglich? Das Zauberwort heißt „Balance of Performance“, also ein Angleichen der Leistung der verschiedenen Fahrzeuge, um das Rennen möglichst spannend zu machen. Über verschiedene Parameter, zum Beispiel eine Verkleinerung des Ansaugstutzens oder Zusatzgewichte, können schnellere und stärkere Fahrzeuge eingebremst und damit die Chancengleichheit erhöht werden. Überwacht werden die Änderungen von den technischen Kommissaren.

GPS-System

Jedes teilnehmende Fahrzeug ist mit einem GPS-Sender ausgestattet. Das ermöglicht der Rennleitung, jederzeit die exakte Position und Geschwindigkeit des Fahrzeugs zu ermitteln. Verstöße gegen die Code-60-Flagge oder die maximal erlaubte Geschwindigkeit von 120 km/h bei doppelt gelb geschwenkter Flagge werden automatisch registriert und anschließend geahndet. Auch Teams und Fans profitieren davon: Mit der entsprechenden App können sie ihr favorisiertes Team live verfolgen.

Höchstgeschwindigkeit in der Boxengasse

Die Boxengasse darf mit maximal 60 km/h durchfahren werden. Bei Überschreiten der zulässigen Geschwindigkeit gibt es eine Zeitstrafe. Häufige Temposünder werden den Sportkommissaren gemeldet, die dann über das Strafmaß entscheiden.

Intervention Cars

Anders als auf klassischen Grand-Prix-Kursen kann das Rennen nicht mit einem Safety Car – zum Beispiel nach einem Unfall – neutralisiert werden. Um mögliche Gefahrenstellen und Unfallpunkte besser absichern zu können, setzt die Rennleitung beim 24h-Rennen sogenannte Sicherungsfahrzeuge (Intervention Cars) ein. Deren Besatzung kann auch kurzfristig die Streckenführung verändern und die Fahrzeuge mit Pylonen zum Beispiel über den Seitenstreifen an einer Unfallstelle vorbeileiten.

Fahrerbesprechung

Die Fahrerbesprechung ist für jede Rennveranstaltung obligatorisch. Beim 24h-Rennen geht der Rennleiter noch einmal auf die besonderen Regeln ein und erklärt organisatorische Dinge. Eine Herausforderung ist die Menge der Teilnehmer: Deshalb wird die Fahrerbesprechung im großen Media-Center am Nürburgring zweimal abgehalten – auf Deutsch und auf Englisch.

Startaufstellung

Die Startaufstellung beim 24h-Rennen ist ein einmaliges Erlebnis. Sobald die ersten Fahrzeuge in die Startaufstellung rollen – die Boxengasse schließt 90 Minuten vor Beginn der Einführungsrunde der ersten Startgruppe –, füllt sich die Start-Ziel-Gerade ziemlich schnell. Es herrscht dichtes Gedränge. Insgesamt gibt es drei Startgruppen. Die Pole-Position befindet sich jeweils in der ersten Startreihe rechts.

## Top-30-Qualifying

Die schnellsten 30 Fahrzeuge kämpfen in einem spektakulären Einzelzeitfahren um die begehrte Pole-Position. Die Plätze für das Einzelzeitfahren können sich die Teams in den Trainings der vorangegangenen Läufe zur VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring und beim Qualifikationsrennen erkämpfen. 17 Plätze sind bereits vergeben, die verbleibenden 13 Startplätze werden anhand des kombinierten Ergebnisses der beiden 24h-Qualifyings vergeben.

Streckenführung und Länge

Die beim 24h-Rennen gefahrene Streckenvariante aus Grand-Prix-Kurs und Nordschleife hat eine Länge von 25,378 Kilometern. Eine Besonderheit ist die Streckenführung im Bereich der Mercedes-Arena: Am Ende der Start-Ziel-Geraden geht es nach einer Schikane direkt in Richtung Ford-Kurve. Der Platz der Mercedes-Arena wird für zusätzliche Fahrerlagerflächen benötigt.

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