
Im DSK treibt uns das Thema Entbürokratisierung im Motorsport mehr denn je um. Unsere aktiven Mitglieder weisen auf übertriebene Regelungen hin, die Aufwand und Kosten insbesondere für den Hobby-Motorsportler unnötig in die Höhe treiben. Das fängt bei überflüssigen Absperrmaßnahmen im Rallye-Fahrerlager an und endet noch lange nicht beim Verbot der Weiternutzung von Rennreifen in bestimmten Serien. Wir haben in den ‚goldenen Jahren‘ der DTM oder der Rallye-WM in Deutschland die höchsten Standards entwickelt und versucht, durch immer detailliertere Vorschriften einen perfekten Motorsport zu organisieren. Solange die Budgets von den großen Herstellern ausreichend gefüttert wurden, zogen auch die Regelsetzer von der FIA, der FIM, dem DMSB und nicht zu vergessen die Promotoren der Serien mit.
Inzwischen sind die Kosten davongaloppiert, die Budgets geschrumpft aber die Regeln sind so komplex geblieben, wie man sie in eben diesen goldenen Zeiten entwickelt hat. Das hat inzwischen leider viele Privatfahrer zur Aufgabe gezwungen, wobei man ehrlicherweise zugeben muss, dass auch der eigene, selbstbestimmte Aufwand für die Optimierung des Fahrzeugs oder die Bewirtung der Partner immer neue Höhen erreicht. Und natürlich sind Regeln erforderlich, um einen fairen Motorsport zu organisieren. Die Frage, welche Regeln unnötig scheinen, wird sicherlich je nach Blickwinkel unterschiedlich bewertet, aber wir müssen es einfach angehen.
Wir untersuchen im DSK daher systematisch die verschiedenen Kostentreiber, prüfen die Sinnhaftigkeit von Regelungen und wollen Wege aufzeigen, wie der Motorsport als Breitensport einfach, unbürokratisch und kostengünstig weiterentwickelt werden kann. Wir reden darüber ständig mit dem DMSB und anerkennen dessen Bereitschaft, zuzuhören und fundierte, überzeugende Vorschläge zu prüfen und aufzunehmen. Schließlich haben DSK und DMSB gleichermaßen das Interesse an einem auf Dauer durchführbaren Motorsport.
Bei der Entbürokratisierung im Motorsport geht es uns nicht um weniger Sicherheit, sondern um mehr Augenmaß. Viele Vorschriften stammen aus einer Zeit, in der Werksbudgets nahezu jeden Aufwand getragen haben. Heute belasten dieselben Regeln vor allem private Starter, kleine Teams und ehrenamtlich organisierte Veranstaltungen. Wir sichten deshalb Reglements, Genehmigungsverfahren und Auflagen Stück für Stück und fragen bei jeder Regel: Dient sie der Sicherheit und Fairness – oder verursacht sie nur Aufwand und Kosten?
Erste Ansatzpunkte sind vereinfachte Genehmigungen für kleinere Veranstaltungen, praxisnähere Vorgaben im Fahrerlager, verhältnismäßige Umwelt- und Lärmauflagen sowie eine längere, sinnvolle Weiternutzung von Material wie Rennreifen. Gerade im Amateur- und Breitensport entscheidet oft jeder Euro darüber, ob jemand überhaupt an den Start gehen kann. Entbürokratisierung im Motorsport bedeutet für uns daher konkret: planbare Kosten, verständliche Regeln und weniger Papierkram.
Diesen Weg gehen wir nicht allein. Wir suchen den engen Austausch mit dem Deutschen Motor Sport Bund (DMSB) und den internationalen Verbänden wie der FIA, um Vorschläge fundiert einzubringen. Ebenso wichtig ist die Stimme unserer Mitglieder: Wer regelmäßig an DSK-Trackdays und Veranstaltungen teilnimmt, kennt die Hürden aus erster Hand. Wenn du den DSK unterstützen möchtest, hilft uns jede praktische Rückmeldung, die Entbürokratisierung im Motorsport spürbar voranzubringen.
Mit rund 13.000 Mitgliedern ist der DSK der größte deutsche Zusammenschluss von Motorsportlerinnen und Motorsportlern. Diese Reichweite verpflichtet uns, die Interessen der Basis wirksam zu vertreten. Wir sehen unsere Aufgabe darin, Erfahrungen zu bündeln, Missstände sachlich zu benennen und tragfähige Lösungen vorzuschlagen – immer im Dialog und nie als reine Kritik. Regeln, die Sicherheit und Fairness gewährleisten, wollen wir erhalten und stärken. Regeln, die vor allem Aufwand erzeugen, gehören auf den Prüfstand.
Wir sind überzeugt: Ein Sport, der einfacher zugänglich, planbarer und bezahlbarer ist, gewinnt neue Aktive und hält bestehende Mitglieder. Genau deshalb ist dieses Thema für uns kein kurzfristiges Projekt, sondern ein dauerhafter Auftrag. In den kommenden Monaten werden wir konkrete Vorschläge erarbeiten, mit den Verbänden diskutieren und transparent über die Fortschritte berichten. Wir laden alle ein, diesen Weg aktiv mitzugestalten.
Im DSK ist durch Euch, liebe Aktiven, ein großes Erfahrungswissen vorhanden und es hilft allen Regelsetzern und Organisatoren, uns im Dialog ernst zu nehmen. Für unsere Entbürokratisierungskampagne brauchen wir Eure Erfahrung und laden herzlich ein, uns mit Vorschlägen zu unterstützen. Dann bohren wir auch dicke Bretter durch.
Euer
Dr. Karl-Friedrich Ziegahn
Präsident des DSK