„Alles lief über den Tisch des DSK…“

Der langjährige Präsident Bodo Grafenhorst zum 60-jährigen Jubiläum des DSK im Interview.

Bodo Grafenhorst ist eine der prägenden Persönlichkeiten des DSK. Der mittlerweile 93-Jährige hat viele richtungweisende Beschlüsse und bahnbrechende Ideen mit auf den Weg gebracht. Der Ehrenpräsident des Deutschen Sportfahrer Kreises verfolgt nach wie vor mit wachem Verstand die Entwicklung „seines“ Vereins. Wir haben mit ihm über die gute, alte Zeit und die heutige Stellung des DSK gesprochen. Grafenhorst fand zum 60-jährigen Jubiläum positive Worte, aber auch der eine oder andere kritische Zwischenton war vernehmbar.

Sie haben den DSK von Beginn an tatkräftig unterstützt und begleitet. Was ist bei ihnen in den letzten 60 Jahren am ehesten an Erinnerungen haften geblieben?

Damals war die Welt noch eine andere, als heute, wenn ich an den DSK denke. Die Aktiven waren in den 60er-Jahren nur in den oberen Schichten zu finden. Menschen, die die Mittel hatten, wie Fabrikanten und Unternehmer. Der ADAC war damals ziemlich bedeutungslos. Es gab ja auch kaum Fahrzeuge. Um einen VW zu bekommen, musste man ihn bestellen und ein Jahr warten. Und das Werk bot auch nur zwei verschiedene Typenklassen an. Ende der Fahnenstange. Das war eine schwierige Zeit. Da musste man selber die Initiative ergreifen, um die Beine auf die Erde zu kriegen. Das war aber ein guter Nährboden für den DSK. Da konnte er entstehen und wachsen. Weder der ADAC, noch der AVD oder der DMV kümmerten sich um den Motorsport. Die hatten Mühe, sich erstmal selber zu finden und aufzubauen. Man half sich gegenseitig in einem zerstörten Land. Das wäre heutzutage gar nicht mehr möglich. Heute ist ja für fast alles gesorgt. Do-it-yourself war damals das Motto.

Was genau hat der DSK damals bewirkt?

Ich war jahrelang Fahrervertreter in der ONS. Dadurch konnte ich die Vorstellungen des DSK sehr gut umsetzen. Ich konnte dort meine Gedanken einbringen und umsetzen. In den 1970er-Jahren wurde im Motorsport nichts entschieden, was nicht über den Tisch des DSK gelaufen ist.

Konkret wurden zum Beispiel eine Sicherheitsstaffel gegründet und das Klinikmobil eingerichtet…

Das hat sich durch meine Tätigkeit ergeben. Der ADAC Mittelrhein hat Anfang des Jahres immer ein 300-km-Rennen am Nürburgring veranstaltet. Als Vorsitzender war ich natürlich vor Ort, aber ich habe ich mich nicht in den Räumen der Ehrengäste aufgehalten, sondern ich war an der Strecke. Ich habe mit den Posten gesprochen und mich erkundigt, wo es klemmt. Wenn ich bei den Großkopferten auftauchte, sagten die zu mir, du bist ja auch da. Dann erwiderte ich, ich bin seit gestern da, aber an der Strecke. Ich habe mich immer selber drum gekümmert und mich gefragt, wie kann ich das Problem lösen? Beispielsweise, was passiert, wenn ein Fahrer im Ausland verunglückt. Wie kommt der wieder zurück? Dann guckten mich alle ratlos an. Dann habe ich dafür gesorgt, dass das geregelt wurde.

Und wie war das mit dem Klinikmobil?

Auf der Internationalen Automobilausstellung in Genf habe ich mit dem im letzten Jahr verstorbenen Hans Schwägerl einen Rettungswagen gekauft. In Deutschland gab es damals ganze acht Stück davon. Das war erst im Kommen. Dann hat mein damaliger Vizepräsident zu mir gesagt: Du, so ein Ding schaffen wir für den DSK an. Ich musste dann sehen, wo ich die 50.000 Mark für das Auto herbekomme. Ich habe überall gesammelt. Teilweise bei den Veranstaltern. Den Hauptteil haben wir von Mercedes erhalten. Aber, wir haben es geschafft. Sogar Formel-1-Fahrer sind vorbeigekommen, um sich das Auto anzuschauen. Denn es ging ja um deren Sicherheit. Die Namen der größten Spender haben wir später aufs Auto geklebt. Aber nicht, weil wir daran dachten, dass es uns Geld bringen könnte, sondern weil wir Danke sagen wollten. Wir waren eine Gemeinschaft. Keiner wollte einen Vorteil erwirtschaften. Heutzutage halten alle die Hand auf, weil sie eine Idee haben, und die lassen sie sich bezahlen, und dann wird sie umgesetzt. So ist das leider heute.

Hat der Motorsport eine Zukunft?

Alles hat Zukunft, wenn man es sinnvoll macht. Die Frage ist, inwieweit verändert sich die Umwelt? Gibt es da noch Platz und Mittel für den Motorsport? An meinem Wohnort in Mainz gibt es jetzt eine Testphase mit einem selbstfahrenden Elektrokleinbus im öffentlichen Raum. Das halte ich für eine Utopie. Das wird nicht möglich sein, so lange es Menschen gibt, die tun und lassen können, was sie wollen. Wie weiß der Bus denn, wie der Mensch auf dem Bürgersteig reagiert, was er denkt und dass er eventuell bremsen muss? Das kann mir keiner beantworten. Große Sprüche machen die Leute aber.

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