Es treibt mich um, vermutlich viele von Euch auch. Das Image, die Vorurteile, die Vorverurteilung. Unser Verhalten im öffentlichen Straßenverkehr ist natürlich untadelig. Das gilt für den Sportfahrer, der Mitglied im DSK ist, natürlich auch für die gendergerechte Analogie. Zumindest glaube ich das, oder ich will es glauben.
Wir lieben sportliches Fahren, auch mit legal verbesserten Fahrzeugen, aber selbstverständlich im Rahmen der gesetzlich erlaubten Spielregeln auf den öffentlichen Straßen. Weil uns das jedoch nicht immer in den auszulotenden Grenzbereich führen kann, suchen wir erlebnisgerechte Räume auf, die bei uns als ‚Hardy-Michel-Freie-Fahren‘ bekannt sind. Viele Mitglieder schätzen genau diese Freiräume auf gemieteten Rennstrecken, ohne dabei die Grenzen des Anstands und des Respekts im Umgang miteinander zu überschreiten. Genau diese Werte zeichnen unsere Veranstaltungen aus. Freude an sportlicher Fahrzeugbeherrschung und zugleich faire Kameradschaft auf der Piste und im Fahrerlager trifft man beim DSK eigentlich immer.
Zurück zum öffentlichen Straßenverkehr: Wir Deutsche gelten ja in manchen Betrachtungen als ein Volk von Rasern. Manchmal sollte man sich aber die Zahlen genauer anschauen. Kürzlich wurden die Ergebnisse einer Tempomessung auf der A8 zwischen Stuttgart und Karlsruhe veröffentlicht: 311.000 gemessene Fahrzeuge, 2.300 Tempoverstöße, also insgesamt unglaublich niedrige 0,73% Temposünder. Und von den ganz schlimmen Sündern haben nur 5 Fahrer das dort geltende Limit von 120 km/h auf einer dreispurig perfekt ausgebauten Autobahn um 41 km/h oder mehr überschritten und sich damit ein Fahrverbot eingehandelt. Warum wird dies nicht als äußerst positiv berichtet?
Der DSK will garantiert nicht die Verletzung von gesetzlichen Vorgaben propagieren, aber ich bin selbst überrascht, wie niedrig die Überschreitungsquote ausgefallen ist. Diese Autobahn, die ich aus eigener Erfahrung gut kenne, gehört zu den gut frequentierten Abschnitten und die Unaufmerksamkeit, etwas schneller zu fahren, ist hier fast systembedingt. In den Medien ist dann wieder schnell von den ‚Rasern‘ die Rede, dabei ist dieser Begriff inzwischen inflationär im Einsatz. ‚Rasen‘ gilt als Zustand heftiger Erregung, gekennzeichnet durch Übermäßigkeit, Kontrollverlust und Gefährdung. Das trifft sicher nicht zu, wenn jemand um wenige Prozent eine vorgegebene Geschwindigkeitsbegrenzung überschreitet. Ich meine, hier muss eine verbale Abrüstung stattfinden.
Und natürlich appelliere ich an alle sportlich orientierten Fahrer: im Straßenverkehr vorbildlich, auf dem Track nach bestem Können!
Euer
Dr. Karl-Friedrich Ziegahn
Präsident des DSK