Claire Schönborn kam erst mit 16 Jahren zum Motorsport. Knapp 10 Jahre später fuhr die junge Frau aus dem Hunsrück ihre erste komplette Saison in der Junior-Weltmeisterschaft (JWRC). Um dorthin zu kommen, ging sie einen eher ungewöhnlichen Weg, der mit Kart- und Autoslalom begann, sie über Bergrennen und das Motorsport Team Germany schließlich zur JWRC führte. Claire steht exemplarisch für das Potential von Frauen im Motorsport und dafür, wie wichtig Förderstrukturen und Netzwerke wie der DSK auf diesem Weg sind.
Motorsport ist für die 26-jährige Claire Schönborn Teil ihrer DNA. Sie wuchs im Hunsrück, nur wenige Kilometer von der ehemaligen Kartbahn Hahn entfernt, auf. Durch ihre Eltern, die beide aktiv Bergrennen fuhren, kam sie früh mit dem Rennsport in Berührung. Bei den Rennen half sie überall, wo sie gebraucht wurde, schraubte am Auto mit und entwickelte früh ein tiefes technisches Verständnis. Ihre Mutter ist heute noch ihr größtes Vorbild.
Sie selbst begann erst relativ spät, mit 16 Jahren, aktiv mit dem Motorsport. Ihr Ziel war es dabei, wie ihre Eltern Bergrennen zu fahren, doch der Vater schlug vor, zuerst bei Kart- und Autoslalom Erfahrung zu sammeln. Die Corona-Pandemie verzögerte ihren Einstieg, doch 2022 konnte sie endlich ihr erstes Bergcup-Rennen im familieneigenen VW Golf antreten. Claire erzählt: „Das hat gleich gut funktioniert, und 2024 holte ich bis dato meinen größten Erfolg: den KW-Bergcup-Gesamtsieg, als erste Frau und jüngste Teilnehmerin überhaupt!“
Einstieg in den Rallyesport
Parallel öffneten sich neue Türen. Über den Deutschen Motorsport Bund (DMSB) wurde sie 2022 Teil des Motorsport Team Germany in der Slalom-Disziplin und gewann bei den FIA Motorsport Games mit dem Opel e-Corsa, einem Rallye-Auto, die Goldmedaille. „Zeitgleich startete der WRC-Promoter ein Nachwuchsprogramm, für das ich mich bewarb. Ich qualifizierte mich Runde um Runde weiter, obwohl ich so gut wie keine Erfahrung mit dem Rallyefahren oder den Aufschriebsystemen hatte. Auf Schotter war ich auch noch nie gefahren,“ berichtet Claire über ihren Einstieg in den Rallyesport.
Bei der Schweden-Rallye 2025 setzte sie sich im finalen Duell gegen die Belgierin Lyssia Baudet durch und sicherte sich damit einen Platz in der JWRC. Mit ihrem erfahrenen Beifahrer Michael Wenzel folgten 2025 dann Starts auf legendären WM-Strecken in Griechenland, Portugal und Finnland, und zum Saisonende startete sie bei der zentraleuropäischen Rallye vor heimischem Publikum. „Da konnten wir Platz fünf in der JWRC einfahren und waren zudem die besten deutschen Teilnehmer. Das war ein sehr, sehr cooles Gefühl,“ erinnert sich Claire.
Tipps zum Einstieg: Netzwerke nutzen
Claires Weg zeigt, dass es den einen klassischen Einstieg in den Motorsport nicht gibt. „Wichtig ist es vor allem, sich frühzeitig zu vernetzen und Fragen zu stellen. Gerade Organisationen wie der DSK spielen dabei eine zentrale Rolle. Durch Trackdays, Nachwuchsprogramme und ein starkes Netzwerk bietet der DSK einen niedrigschwelligen Zugang zum Motorsport,“ sagt Claire.
Auch der DSK Women’s Club ist für die 26-Jährige eine wichtige Plattform. „Der Austausch auf Augenhöhe, das gegenseitige Unterstützen und Ermutigen, und Fragen stellen zu können, erleichtern den Einstieg deutlich“, sagt sie. Förderprogramme seien zudem essenziell, um finanzielle Hürden zu überwinden, insbesondere in kostenintensiven Bereichen wie dem Rallyesport, der zudem in Deutschland nur wenige Sponsoren anzieht.
Als konkrete Einstiegsdisziplinen empfiehlt sie die Kart-Rundstrecke im jungen Alter, Simulator-Meisterschaften für spätere Einsteiger sowie Autoslalom als kostengünstige und fahrerisch lehrreiche Alternative. „Entscheidend ist nicht die Disziplin, sondern der Mut, es einfach zu versuchen. Und Förderprogramme nutzen“, so Claire.
Träume mit realistischem Plan
Hauptberuflich arbeitet Claire weiterhin als Systemingenieurin bei einem Automobilzulieferer. „Motorsport und Job unter einen Hut zu bringen, ist eine tägliche Herausforderung. Trotzdem ist es mein großes Ziel, langfristig im Rallyesport professionell Fuß zu fassen.
Dabei bleibt sie realistisch. „Mein Traum ist es, in Zukunft ein Rallye1-Auto fahren zu dürfen. Das ist die Königsdisziplin im Rallyesport. Aber dadurch, dass ich so spät angefangen habe, weiß ich natürlich, dass das nicht realistisch ist. Aber in der Rallye2, also der Klasse darunter, mit der Weltspitze mitzufahren, das wäre schon cool.“
Ihre Geschichte zeigt, dass auch ungewöhnliche Wege zum Ziel führen können und wie wichtig dabei Durchhaltevermögen und starke Förderstrukturen sind. Der DSK wird dabei weiterhin seinen Beitrag leisten, um Talente, egal ob Männer oder Frauen, im Motorsport nachhaltig zu unterstützen.