2026 beginnt ein neues Zeitalter in der Formel 1. Das neue technische Reglement bedeutet einen Druck auf den „Reset“-Button, und die ganze Gemeinschaft steht unter Strom, auch im wahrsten Sinne: Der elektrische Anteil der Power-Unit wird auf fast 50 % der Gesamtleistung erhöht, dafür fällt die Energierückgewinnung mit KERS weg. Besonders wichtig ist der Einsatz von klimafreundlichen, fossilfreien synthetischen Kraftstoffen. Hier übernimmt der Motorsport mal wieder eine technologische Pace, übrigens nicht nur in der Formel 1, sondern schon vorher auch bei der DTM und in anderen Serien. Auch wenn der besondere Treibstoff zunächst deutlich teurer als herkömmlicher ist, sind solche Anstrengungen und Technologiepfade unverzichtbar. Wir demonstrieren damit, dass es auch ohne fossiles Rohöl oder Erdgas geht, dass wir Motorsport auch ohne neue Treibhausgasemissionen betreiben können. Das Stichwort ist das „Carbon-Recycling“, also die Kreislaufführung von Kohlenstoff.
Es sind aber auch die weiteren Ansätze der F1 beachtenswert, vor allem im Hinblick auf attraktivere Überholmöglichkeiten. Eine aktive Aerodynamik ersetzt das DRS, soll das Bilden von Turbulenzen reduzieren, um sich im Windschatten besser zu positionieren und dann eine neue elektrisch abrufbare Überholhilfe, den „Overtake Mode“, einsetzen zu können.
Spannend wird, wie die Teams und die Piloten mit diesen Neuerungen zurechtkommen und wer den größten Nutzen realisieren kann. Sind es die professionellsten Teams mit großen Werksressourcen im Hintergrund, die ihre Hausaufgaben am besten gelöst haben? Oder kann mal wieder ein cleveres Underdog-Team mit einem technischen Kniff und genialen Ideen aus den hinteren Startreihen nach vorne ziehen?
Man mag den riesigen Aufwand, den die ganze F1-Blase betreibt, deswegen kritisieren. Aber Fakt ist, dass in den letzten Jahren wieder deutlich mehr Zuschauer auch vor Ort angezogen werden, wie Austin in Texas, Las Vegas oder Miami zeigen. Die Superliga ist auch dank des amerikanischen Promoters Liberty Media in den USA so richtig in Schwung gekommen und hat damit ihre globale Attraktivität deutlich gesteigert. Die OEMs, also die Automobilhersteller, haben das sehr wohl registriert und engagieren sich – wie Audi oder Ford. Nur in Deutschland schlägt sich das nicht mehr nieder – einen Formel-1-Lauf werden wir wohl auf lange Zeit nicht mehr sehen. Trotzdem drücke ich die Daumen, dass wir in eine spannende neue Formel 1 gehen werden.
Euer
Dr. Karl-Friedrich Ziegahn
Präsident des DSK