Der DSK verliert seinen langjährigen Präsidenten und Ehrenpräsidenten
Der Deutsche Sportfahrer Kreis (DSK) trauert um Winfried Matter. Der langjährige Präsident und Ehrenpräsident des DSK ist in der Nacht zum 15. Oktober 2026 im Alter von 78 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Matter führte den Verein von 1985 bis 2005. In diesen 20 Jahren wurde aus einem kleinen, elitären Club Europas größte unabhängige Vereinigung von Sportfahrern und ihren Freunden mit derzeit über 13.000 Mitgliedern. Die drei grundsätzlichen Säulen, auf die der Verein heute baut, sind Sicherheit, Fairness und Zukunftsfähigkeit. „Winfried war ein unternehmerischer, ja umtriebiger Mensch, der in einer entscheidenden Phase dem DSK einen ungeheuren Auftrieb verlieh“, würdigt ihn der heutige Präsident Dr. Karl-Friedrich Ziegahn. „Er hat unseren Verein zu seiner heutigen Mitgliederzahl entwickelt und ihm Stimme und Gehör verschafft, nicht nur im Fahrerlager, sondern auch in der Politik.“
Zum Motorsport kam Winfried Matter über die Sicherheit. Er war der Junior der Firma Kurt Matter in Karlsdorf-Neuthard bei Bruchsal, die seit 1952 Atemschutz- und Tauchgeräte herstellte. Als die FIA 1970 Überrollbügel und -käfige vorschrieb, sah er darin eine Marktlücke. Er ließ Bügel nach den FIA-Vorschriften und nach Berechnungen der Staatlichen Ingenieurschule Karlsruhe fertigen. Matter war der erste Hersteller, der Überrollbügel und Käfige mit ONS-Zertifikat und TÜV-Typprüfung lieferte. Fast alle deutschen Fahrzeughersteller wurden Kunden. Später kamen die roten Matter-Sicherheitsgurte dazu, ein Gurt „aus der Erfahrung des Sportfahrers für den Sportfahrer“. Unter dem Namen „Team Matter Sicherheit“ fuhr Gerd Behret ab 1971 in der Deutschen Rallye-Meisterschaft und gewann 1973 den Titel.
Matter war auch selbst begeisterter Sportfahrer. Eine Geschichte erzählte er bis zuletzt gern: Am 21. Januar 1973 war er nachts auf der A3 bei Köln unterwegs, um mit Achim Warmbold zur Rallye Monte Carlo zu fahren. Auf Glatteis prallte ein anderes Auto mit seinem Porsche 911 zusammen. Alle Beteiligten blieben unverletzt. Matter nannte den Tag seinen „zweiten Geburtstag“. Im Jahr zuvor war er bereits in den DSK eingetreten, dem er mehr als 50 Jahre angehörte.
Am 3. Februar 1985 wählte die Mitgliederversammlung in Hanau Winfried Matter zum Nachfolger von Albrecht Krebs, obwohl Matter selbst wegen eines Trauerfalls in der Familie nicht anwesend sein konnte. Fünf Tage nach seiner Wahl verschickte er an das Präsidium eine siebenseitige Arbeitsunterlage mit dem Titel „DSK-Zukunft“. Darin stand fast alles, was ihn in den kommenden Jahren beschäftigen sollte. Der DSK sollte mehr Mitglieder werben und die vorhandenen stärker einbinden. Das Image des Vereins sollte sich „von Grund auf“ verbessern. Matter wollte eine professionelle Pressearbeit, einen Renndienst für die Privatfahrer und Stammtische an den Rennstrecken. Der Verein sollte auf die Genehmigungsbehörden zugehen und sich auf die Debatte über Lärm und Umwelt vorbereiten, die er auf den Motorsport zukommen sah. Für die Pannenhilfe an der Strecke entwarf er einen Aufkleber mit dem Motto „Mir hilft der DSK“.
„Es gibt viel zu tun, packen wir’s an“, schrieb er im Mai 1985 im „Sportfahrer“, der Mitgliederzeitschrift des DSK. „Wir wollen unsere Mitglieder aktivieren!“ Zu seiner ersten Präsidiumssitzung brachte er 20 neue Förderer mit, die er selbst geworben hatte. Zu Beginn seiner Amtszeit sorgte er dafür, dass auch Jugendliche unter 18 Jahren ordentliche Mitglieder werden konnten. Jahre später, 1997, konnte so Bergrennfahrer Norbert Vettel seinen zehnjährigen Sohn Sebastian im DSK anmelden.
Unter Matters Führung wuchs der DSK zu einem großen und einflussreichen Verein. Er suchte eine Zusammenarbeit mit ADAC, AvD, DMV und der ONS. Wenn es um die Interessen der Sportfahrer ging, stritt er aber auch konsequent mit den Dachverbänden, zuerst mit der ONS und nach der Gründung des DMSB auch mit diesem. Dass die Stimme der Sportfahrer in diesen Jahren gehört wurde, ist zu einem großen Teil auch sein Verdienst. Bei seinem Abschied sagte er: „In den achtziger Jahren war Motorsport nichts als eine Randsportart, die von vielen belächelt wurde. Unser Motto ‚Ja zum Motorsport‘ hat sich durchgesetzt. Heute gehören Motorsportler zu den anerkannten Spitzensportlern.“
Ein bequemer Präsident war Winfried Matter nie. Er war kantig, offensiv und oft wenig diplomatisch. Wer mit ihm zusammenarbeitete, war längst nicht immer seiner Meinung. Man wusste bei ihm aber immer, woran man war, und es ging ihm stets um die Sache. Wichtig war ihm vor allem der Breitensport. „Motorsport soll Spaß machen, Motorsport soll für jedermann erschwinglich sein, jedes Talent soll zumindest eine faire Chance haben“, sagte er. „Spitzensport ohne Breitensport an der Basis ist auf Dauer unmöglich.“ Mit den Verbänden und der Industrie wollte er eng zusammenarbeiten, aber nicht um jeden Preis: „Wir brauchen auch den kritischen Dialog. Nur so können wir uns unsere Unabhängigkeit erhalten.“
Bei der Mitgliederversammlung am 26. Februar 2005 am Nürburgring gab Matter das Amt ab, um sich wieder stärker seinen beruflichen Aufgaben zu widmen. Er nannte es eine Entscheidung „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“. Dr. Walter Kafitz, Geschäftsführer der Nürburgring GmbH, überreichte ihm an diesem Tag die Goldene Ehrennadel des Nürburgrings. Die Versammlung wählte dort Dr. Karl-Friedrich Ziegahn einstimmig zu seinem Nachfolger.
Auch danach blieb Winfried Matter dem DSK eng verbunden. Aus seiner Wahlheimat China verfolgte er den deutschen Motorsport aufmerksam. Er brachte seine Erfahrung ein, fragte nach und widersprach, wenn er anderer Meinung war. Ziegahn sagte zu Matters 70. Geburtstag: „Nicht immer waren wir einer Meinung, aber wir haben beide viel voneinander gelernt.“ 2023 ehrte der DSK Winfried Matter am Nürburgring für 50 Jahre Mitgliedschaft, gemeinsam mit seinem Vorgänger Albrecht Krebs. Zum ersten Mal kamen dabei Präsidenten aus mehr als 40 Jahren DSK-Geschichte an einem Ort zusammen.
„Ich bin Winfried als engagiertem Menschen begegnet“, so der heutige Präsident Dr. Ziegahn, „der den Motorsport auf allen Ebenen vertreten hat. Er hat mich motiviert, im DSK aktiv zu werden und er war für mich ein wertvoller Berater, auch wenn wir uns in der Vorgehensweise nicht immer einig waren. Seine Verdienste für den DSK nötigen mir großen Respekt ab und ich werde ihn als großen Mitstreiter für den Motorsport in Erinnerung behalten.“
Mit Winfried Matter verliert der DSK einen leidenschaftlichen und streitbaren Mann, der dem Verein sein heutiges Gesicht gegeben hat. Wir sind ihm zu großem Dank verpflichtet und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm nahestanden.