Vom elitären Kreis zur Basis für alle – Teil 2/2

Kaum ein Jahrzehnt hat Deutschland so geprägt und verändert wie die 60er Jahre. Es war eine Zeit des Umbruchs und der Veränderung. Der Kalte Krieg beherrschte die Welt, die Mauer wurde errichtet und teilte das Land für 40 Jahre. Die Musik der Beatles eroberte die heimischen Wohnzimmer. Der erste Mensch machte einen Schritt auf dem Mond. Die Frauen emanzipierten sich.

Die „Sektion West“ wurde gebildet

Mosers Amtszeit wurde unerwartet kurz. Bei einem Gespräch mit dem OSN-Präsidenten in dessen Heimatstadt Bad Driburg regte er an, Treffen zwischen ONS und DSK sollten zu einer ständigen Einrichtung werden. Am 30. Mai 1964 verünglückte Moser tödlich mit einem Porsche 904 beim Training zum „1000 Kilometer-Rennen“ auf dem Nürburgring. Am 27.6. entschied das Präsidium in Wiesbaden Leopold von Zedlitz auf der nächsten Mitgliederversammlung als Präsidenten vorzuschlagen.

Der Dialog und kritische Austausch mit dem ONS blieb aber auch mit anderen Protagonisten das beherrschende Thema. Nach Ansicht des DSK bedurfte das ONS-Lizenzsystem dringend einer Neuordnung. Am 28. November fanden sich 80 Mitglieder zu Bildung einer „Sektion West“ zusammen. Durch die Bildung einzelner Sektionen sollte es möglich sein, sich mehr als einmal im Jahr zu treffen, um Vorschläge auszuarbeiten und Probleme zu diskutieren. Später folgten Sektionen in Schleswig-Holstein, Hamburg, Hannover und im Raum Stuttgart.

Erste Einladung als Fahrervertreter zur ONS

Ein weiterer Erfolg war die erste Einladung zu einer ONS-Sitzung im März 1965 in der Hauptverwaltung des AvD in der Wiesenhüttenstraße Ecke Main-Kai in Frankfurt für die DSK-Mitglieder Eberhard Mahle und Bodo Grafenhorst als Fahrer-Vertreter. Beide sahen sich gegenüber dem ONS eher als „Tauben“. Sie vertraten die Meinung, wenn man vernünftig miteinander redet, zählen die besseren Argumente. Auf Seiten des DSK gab es aber auch einige „Falken“, die den ONS als Gegner sahen.

Um die Basis zu verbreitern, startete der DSK im selben Jahr eine Werbeaktion. Es wurden alle Lizenzfahrer angeschrieben. Viele wurden daraufhin Mitglied in der einzigen überregionalen Fahrergemeinschaft Deutschlands. Präsident Leopold Freiherr von Zedlitz wurde unterdessen zum stellvertretenden ONS-Mitglied und Mitglied der Meisterschafts-Kommission berufen. Dies erleichterte dem DSK den Zugang zur ONS:

Entwurf der „Richtlinien für Sportkommissare“

Jahrelang war dem DSK auch die Unerfahrenheit, Inkompetenz und fehlende Anwesenheit der Sportkommissare ein Dorn ein Auge. Aus diesem Grunde entwarf Bodo Grafenhorst während eines Urlaubs im Bayerischen Wald „Richtlinien für Sportkommissare“, die Mitglieder des ONS stimmten zu, diese allen Sportkommissaren zur Verfügung zu stellen, mit dem Hinweis sich danach zu richten.

Ein weiteres großes Anliegen des DSK zu dieser Zeit waren notwendige bauliche Veränderungen am Nürburgring. Die Rennfahrzeuge waren mittlerweile wesentlich schneller und leichter geworden. Die physikalischen Verhältnisse hatten sich verändert. Der DSK stieß einen Umdenkungsprozess an. Vor Start und Ziel wurde eine Kurve zur Verminderung der Geschwindigkeiten gebaut. Sie erhielt den Namen „Hochrainkurve“. 1966 korrigierte der ONS die Rechts- und Verfahrensordnung im Sinne der DSK-Forderungen. Danach waren nun 50 % der Richter ADAC und die anderen 50 % Mitglieder des AvD.

Haftungsausschluss wurde anerkannt

1967 trat dann auch der von DSK-Präsident Leopold Freiherr von Zedlitz und Leipe vorgelegte Entwurf der „Rahmenausschreibung für Rallyes“ in Kraft. Nun gab es Klarheit und Einheitlichkeit. Im Zuge dessen wurde auch der Artikel des „Haftungsausschlusses“ neu gefasst. Er bezog sich nur noch auf die reinen Rennwettwerbe und die Sonderprüfungen innerhalb der Rallyes. Diese vom DSK erarbeitete Formulierung wurde auch von allen im HUK-Verband organisierten Versicherungsgesellschaften anerkannt. Ein wichtiger Erfolg des DSK, der alsbald auch einen neuen Präsidenten hatte. Von Zedlitz wurde vom AvD zum ordentlichen Mitglied berufen und stellte sein Amt wegen einer möglichen Interessenskollision zur Verfügung. Ihm folgte Ruprecht M. Hofen nach, ein ausgesprochener Gegner der ONS. Im selben Jahr bildeten unter anderem die Mitglieder Sepp Greger, Herbert Linge, Eberhard Mahle, Gerhard Mitter, Udo Schütz, Paul Ernst Strähle und Bodo Grafenhorst die Streckenabnahme-Kommission der ONS. Das war eine Aufwertung des DSK und die Umsetzung einer zehn Jahre alten Forderung.

Der „Goldene Volant“ wurde geschaffen

1968 bestand der DSK dann schon zehn Jahre. Anlässlich des Jubiläums schuf das Präsidium eine Auszeichnung, den „goldenen Volant“. Eine Ehrung für verdiente Mitglieder. Die am Rockaufschlag zu tragende Auszeichnung bestand aus einem golden Lenkrad in der Größe eines zehn Pfennig Stückes, in dessen Mitte sich das DSK-Zeichen befand. Mit der Wahl von Bodo Grafenhorst zum neuen DSK-Präsidenten im „Hotel Winzerhaus“ in Lorch am Rhein am 29. März 1969 endete ein für den DSK sehr ereignisreiches und erfolgreiches Jahrzehnt.

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