Groß gegen Klein – Winkelhock vs. Epp

Das riesige Starterfeld und die deutlichen Geschwindigkeitsunterschiede zwischen den einzelnen Fahrzeugklassen sind Markenzeichen des ADAC Zurich 24h-Rennens. Im dichten Verkehr kommt es dabei auch immer wieder zu brenzligen Situationen, und wenn dann die Piloten der schnelleren und langsameren Fahrzeuge übereinander sprechen, hört man oft gegenseitige Vorwürfe. Dass es auch anders gehen kann, zeigen der dreimalige 24h-Gesamtsieger Markus Winkelhock und der erfahrene Amateurrennfahrer und DSK-Mitglied Stephan Epp, die sich vor der 46. Auflage des „Eifel-Marathons“ zum Nordschleifen-Meinungsaustausch trafen.

„Man kann nicht sagen, ich habe generell ein Problem mit den großen oder den kleinen Autos. Es hängt immer davon ab, wer darinsitzt“, sagt der Wuppertaler Stephan Epp, der in seinem 220 PS starken Renault Clio RS (#126) zum siebten Mal beim 24h-Rennen am Start ist. 2017 gewann er in seiner Klasse SP3. Markus Winkelhock, der nach seinem dritten Gesamtsieg 2017 auch in diesem Jahr bei seinem insgesamt neunten Start wieder in einem GT3-Audi (#24) unterwegs ist, pflichtet ihm bei. „Du lernst über den Verlauf des Rennens schon genau, bei welchem Auto man vorsichtig sein muss. Manche setzen zwar den Blinker, ziehen dann aber trotzdem rein. Manchmal hat man den Blinker am frühen Morgen vielleicht nur vergessen, weil die Konzentration nachgelassen hat. Das sind dann Situationen, die ein Rennen entscheiden können – für beide“, sagt Winkelhock. „Aber genau das ist auch die Herausforderung auf der Nordschleife: so gut und problemlos wie möglich durchzukommen.“

Für die Profis in den schnellsten Autos sei es dabei eigentlich einfacher, durch den Verkehr zu kommen, meint der Schwabe. „Du musst nicht in den Rückspiegel gucken und bist nur auf dich selbst, dein Auto und deine Linie konzentriert. Ich schaue immer nur, auf wen ist als nächstes auflaufe“, so Winkelhock. „Aber ein Fahrer wie Stephan fährt mit seinem Auto genauso am Limit wie ich mit meinem und muss jede Kurve genauso konzentriert und sauber anfahren und dabei auch noch ständig nach hinten schauen. Für ihn ist es daher viel schwerer. Mir hat einmal mein früherer DTM-Kollege Alexandre Premat erzählt, dass es sein brutalstes Rennen war, als er hier einmal in einem Peugeot-Diesel gefahren ist.“

Für Stephan Epp, der schon als 18-Jähriger erstmals auf der Nordschleife fuhr, ist das Normalität. „Daran gewöhnt man sich. Schwieriger ist das aber für Fahrer, die gerade erst ihren Nordschleifen-Permit machen. Die müssen diese Schule in kleinen Autos durchlaufen, sind aber froh, wenn sie dann in den größeren Autos sitzen“, sagt Epp, für den es eine wesentliche Maßgabe gibt: „Du musst sehr eindeutig fahren. Wenn man ohne Blinker fährt und auf einer satten Linie ist, dann funktioniert das. Wenn man aber herumhampelt oder einen Gang zu niedrig fährt, entstehen Situationen, die nicht entstehen sollen.“

Winkelhock glaubt, dass viele Kollegen gar nicht richtig einschätzen können, wie viel schneller ein GT3-Fahrzeug ist. Daher kämen oft Vorwürfe, dass die Profis zu aggressiv fahren würden. „Ich kann aber beide Seiten verstehen. Bei uns ist aber auch ein gewisser Druck da, weil man halt Werksfahrer ist“, sagt Winkelhock: „Man muss immer abwägen, wieviel Risiko man gehen kann und muss. Fahre ich eine Runde ohne Risiko, in der ich immer vom Gas gehe und nie reinsteche, verliere ich fünf Sekunden pro Runde, das sind einem Acht-Runden-Stint 40 Sekunden. Damit hast du im Rennen keine Chance mehr.“

Doch auch in den kleinen Klassen geht es um Sekunden. „Wenn ich am Limit fahre, kann ich an vielen Stellen niemanden durchlassen“, sagt Epp. Winkelhock hat besonders Respekt vor der Passage zum Schwedenkreuz. „Da fahren viele genau in der Mitte der Strecke und man selbst kann sich nicht sicher sein, da mit Überschuss sicher vorbeizufahren“, erklärt er. Auch Epp kennt diese Stelle nur zu genau. „Da standen mir auch schon deutlich schnellere Fahrzeuge, im Nassen sogar schon GT3, im Weg, die sich nicht für rechts oder links entscheiden können. Wenn ich da vom Gas gehe, fehlen mir am Ende der Geraden 15 km/h.“

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